Parasite (2019) – eine schwarze Satire

Ob Regisseur Bong Joon-ho wohl geahnt hat, wie hochgelobt sein Film Parasite (2019) werden würde? Naja, vier Academy Awards und etliche weitere Auszeichnungen später ist es offensichtlich: er hat ein Meisterwerk geschaffen. Für mich definitiv der beste Film, den ich im vergangenen Jahr gesehen habe. Achtung: Spoiler-Alarm!

Story:

Der aus einer armen Familie stammende Ki-woo bekommt durch einen glücklichen Zufall eine Anstellung als Privatlehrer bei der sehr wohlhabenden Familie Park. Sein Freund, der bis dato die Stelle inne hatte und aus privaten Gründen dieser vorrübergehend nicht nachkommen kann, empfiehlt ihn der Familie als seine Vertretung. Fraglich, ob es auch sonst geklappt hätte, kommt Ki-woo doch nicht aus gutbürgerlichen Verhätnissen und hat keinen qualifizierenden Abschluss. Vielleicht liegt es aber auch an dem großen Stein, den sein Freund ihm als Glücksbringer geschenkt hat?

Zeugnis kurzerhand gefälscht, tritt Ki-woo die Stelle an, bei der er der Tochter der privilegierten Familie Park bei ihren Sprachkenntnissen unter die Arme greifen soll. Familie Parks Leben könnte sich nicht mehr von dem der Familie Ki-woos unterscheiden. Sie wohnen in einem von einem berühmten Architekten erbauten Haus, lichtdurchflutet, weitläufig und offen. Der Vater, ein offensichtlich sehr erfolgreicher Business-Man, das Leben der jungen Mutter dreht sich um ihre Kinder und ihr Aussehen. Einer Arbeit hat sie es offenbar nicht nötig nachzugehen. Die Parks haben noch einen Sohn, ein lebendiges, normales Kind. Ebenfalls gehört wohl die Haushälterin schon zur Familie, arbeitet sie doch für diese, seitdem diese in das Haus eingezogen ist und vom vorherigen Besitzer übernommen wurde.
Die Kims, Ki-woos Familie, hingegen wohnen in einer düsteren und schmutzigen Kellerwohnung im Seouler Ghetto in beengten Verhältnissen, die Eltern und Ki-woos Schwester sind arbeitslos und versuchen ihre Haushaltskasse mit dem Falten von Pizzakartons aufzubessern. Da kommt die Anstellung wie gerufen.

Nachdem Ki-woo kurze Zeit angestellt ist, gelingt es ihm, seine Schwester, die Kunst studierte, dieses Studium aber nicht abgeschlossen hat, als angebliche Freundin und Kunstpädagogin für den Sohn der Parks einzuschleusen und seiner Familie somit noch ein weiteres Einkommen zu verschaffen. Und wie es der Zufall so will müssen die Parks aufgrund unerfreulicher Ereignisse ihren Fahrer entlassen. Oder doch kein Zufall? Jedenfalls nimmt Ki-woos Vater kurzerhand die Position ein, natürlich getarnt als Bekannter der “Kunstpädagogin” und chauffiert nun seinen Chef Herrn Park zu seinen wichtigen Geschäftsterminen. Allen Kims ist bewusst, dass sie sich nun Dank der Familie Park in einer für sie sehr komfortablen Situation befinden. Noch komfartabler wäre es allerdings, wenn nun noch Mutter Kim irgendwie im Haushalt Park unterkommen könnte. Hierzu muss nur die lästige Haushälterin den Weg frei machen, was sich jedoch als gar nicht so einfach herausstellt. Trickreich und auch skrupellos gelingt es den Kims jedoch, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen und Mutter Kim nimmt ihren Platz ein.

So arbeitet die ganze Familie Kim nun mehr oder weniger fleißig für die Familie Park. Eines Tages beschließen die Parks einen Ausflug zum Zelten zu unternehmen. Familie Kim nutzt die Tatsache, um kurzerhand vorrübergehend in das luxoriöse Haus der Kims einzuziehen, ihre dekadenten Lebensmittel zu verzehren, ihren teueren Alkohol zu trinken und es sich während eines heftigen Regensturms auf ihrem Sofa gemütlich zu machen. Als plötzlich die Türklingel schellt, nimmt die Handlung eine unerwartete Wendung: Vor der Tür steht die ehemalige Haushälterin der Familie Park, die hartnäckig darum bittet, ins Haus gelassen zu werden, da sie dringend noch etwas holen müsste, dass sie damals offenbar nicht mitnehmen konnte. Widerwillig lässt Mutter Kim ihre Vorgängerin hinein, die restlichen Familienmitglieder verstecken sich vor der Ehemaligen. Diese hat jedoch nicht einmal Augen für das Haus oder das Chaos, das die Kims in ihrer parasitären Belagerung hinterlassen haben, und läuft schnurstracks in den Keller des Anwesens. Dort hat sie tatsächlich etwas Wichtiges zurück gelassen, nunja, sagen wir es mal so: die Kims sind nicht die ersten “Parasiten” im Hause der Parks. Zu allem Überfluss kündigt sich die Familie Park nun auch noch an, die Ihren Ausflug zum Zelten aufgrund der Unmengen an Regen abgebrochen hat und sich nun auf dem Heimweg befindet. Nun bricht die Panik und das Chaos im Hause der Parks aus. Und das auf verschiedenen Ebene, im wahrsten Sinne des Wortes. Mehr möchte ich euch jedoch nicht spoilern, ich kann euch wirklich nur empfehlen, den Film anzuschauen. Und ja, der eingangs erwähnte “Glücksstein” spielt ebenfalls noch eine größere Rolle…

Kritik:

Parasite kann sehr offensichtlich als eine universale Kritik am südkoreanischen und westlichen kapitalistischen System gelesen werden. Deutlicher kann ein Film die Schere zwischen der armen Unterschicht, den Kims, und den priviligierten Reichen, den Parks, kaum darstellen: Die Kims, in ihrer düsteren Kellerwohnung in schlechter Gegend, die es trotz der altbekannten Mähr vom Fleiß (Pizzakartons in enormen Mengen falten), welcher angeblich jedem die Möglichkeit schaffen soll, aufzusteigen, und dem Studium der Kinder, die offenbar gezwungen waren, dieses abzubrechen, einfach nicht aus ihrer Lage heraus schaffen. Sie erfüllen natürlich auch ein Klischee: Sie wirken ungepflegt und rau, die Eltern sind übergewichtig, ihre Umgangsweise miteinander wirkt zum Teil schroff, gar aggressiv, dann jedoch wieder sehr verbunden und fürsorglich. Die Parks hingegen leben in Ihrer lichtdurchfluteten Architektenvilla, die Mutter kann sich Ihrem Müßiggang widmen, die Kinder bekommen die beste private Förderung, der Vater bringt als erfolgreicher Work-A-Holic Unmengen an Geld ins Haus. Die nächste Gartenparty und ihre Ausrichtung scheinen die größten Sorgen der Familie zu sein. Schon am Geruch erkennt man den Unterschied, Vater Park spricht mit seiner Frau über seinen neuen Fahrer, der den typischen Geruch der armen Leute habe; der Sohn der Parks bemerkt, dass die neue Haushälterin und der Fahrer irgendwie gleich riechen. Dieser Geruch wird im Laufe des Films ebenfalls noch eine wichtige Rolle einnehmen.

Parasite hinterfragt das Leben, die Arbeit und ihren Wert und auch den Konsum (sowohl der Parks als auch der Kims) im Kapitalismus. Hierbei sind die Charaktere und Rollen gar nicht immer so leicht in eine Schublade zu stecken, die Kims sind nicht ausschließlich die armen Opfer, sie dringen in das Haus der Parks ein, eignen sich ihren Lebensstil an, alles andere um sie herum ist ihnen egal, die Parks sind ihnen egal (bis auf Ki-woo, der eine kleine Romanze mit der Tochter der Parks entwickelt, die sich jedoch nur beiläufig abspielt und ganz in kapitalistischer Tradition selbstverständlich nicht fruchtet – der Adel vermischt sich doch nicht mit dem Pöbel…), der ehemalige Fahrer ist egal, die ehemalige Haushälterin und ihre Probleme sind es. Sie gehen für ihre neu errungenen Privilegien über Leichen und sind somit nicht besser als der Klischee-Kapitalist. Vielleicht auch, weil sie nicht die größte Wahl haben. Aber sind die Parks denn im Gegensatz zu den Kims nun “gut”? Im Grunde sind auch die Parks nichts anderes als Parasiten. Kapitalismus Parasitismus, ermöglicht er doch einigen wenigen auf Kosten vieler anderer das Überleben, das priviligierte Leben. Die Parks wissen eigentlich nicht einmal, was sie besitzen, fällt es offenbar nicht auf, wenn etwas fehlt. Sie wissen nicht, wie es den Menschen ergeht, denen das Leben nicht so gut mitgespielt hat, wie ihnen. Dies wird allein durch die Kritik des Familienvaters am Geruch der armen Leute deutlich: er weiß offenbar nicht, unter welchen Verhältnissen diese zum Teil Leben, woher dieser Geruch kommt.

Ist diese Schere zwischen Arm und Reich, zwischen den Kims und den Parks jemals schließbar? Parasite hinterlässt hierzu doch eher einen pessimistischen Eindruck. Aber entscheidet selbst!

Kennt ihr Parasite schon? Fandet ihr ihn genauso grandios? Sind wir vielleicht alle Parasiten? In die Kommentare!

Eure

Mina Miau

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