Garden of Delight und Merciful Nuns: deutscher Gothic Rock der Extraklasse

Es ist wieder einmal Zeit für etwas Musik. Heute will ich nicht nur eine, sondern gleich zwei Bands vorstellen, die die Geschichte der Schwarzen Szene in Deutschland entscheidend mit geprägt haben und weiterhin prägen: Garden of Delight (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Celtic-Folk-Band!) und Merciful Nuns. Dass es zwei Bands sind, hat den einfachen Grund, dass beide Bands im Kern aus denselben Mitgliedern bestehen und letztere mehr oder weniger direkt nach der Auflösung ersterer als Nachfolgeprojekt aus der Taufe gehoben wurde. Doch der Reihe nach.

Von Garden of Delight …

Garden of Delight wurde 1990 von Artaud Seth (der mit dem Whispers in the Shadow-Frontmann Ashley Dayour zusammen auch das Projekt Near Earth Orbit auf seinem Label Solar Lodge betreibt) und Pisacane gegründet, mit dem Ziel, in sieben Jahren sieben Alben mit jeweils sieben Songs aufzunehmen. Die Häufung der Sieben verdankt sich dem Umstand, dass die Band sich konzeptionell ausschließlich mit Mythologie und Okkultismus beschäftigte, in deren Umfeld die Zahl eine wichtige Rolle spielt. Musikalisch wurde reiner Gothic Rock gespielt.

Pisacane verließ die Band schon 1991 wieder, nachdem das erste Album erschienen war. Neben dem Iren Thomas O’Connell stieß 1992 ein gewisser Adrian Hates, heute besser bekannt als der Gründer, Sänger und Kopf der Band Diary of Dreams, als Bassist zur Band, so dass mit nun komplettiertem Lineup auch das erste Konzert stattfinden konnte.

Die Band stieg bis Mitte der 90er zu einem der erfolgreichsten Acts der deutschen Szene mit (bis heute) über 150.000 verkauften Tonträgern auf. Das Erfolgsrezept war neben dem Konzept und dem eingängigen Gothic Rock sicher auch Artaud Seths markante Stimme, die der Band eine hohen Wiedererkennungswert verschaffte.

Trotz des Erfolgs wurde die Band jedoch 1997 wie geplant nach sieben Alben aufgelöst, die Mitglieder wandten sich vorerst anderen Projekten zu.

… über Garden of Delight feat. Lutherion …

Im Jahr 2000 fanden sich einige der Band-Mitglieder wieder zusammen, nachdem Artaud Seths neue Songs besser zu Garden of Delight als zu seinem zwischenzeitlich gegründeten Projekt Chaos God passten. In der Folge entstanden die Alben Dawn und Radiant Sons welche ebenfalls sehr erfolgreich wurden.

Der Sound der Band wurde um elektronische Elemente und härteren Gitarreneinsatz erweitert, so kam nun unter Anderem auch eine Drummachine zum Einsatz. Etwa um 2002 herum stieß Seths heutige Ehefrau Jawa Seth nach einigen Lineup-Wechseln als Bassistin zur Band. 2003 wurden gleich zwei Alben, nämlich Apocyphal I: The Faithful und Apocyphal II: The Fallen, veröffentlicht, welche sich, wie der Name schon andeutet, mit den Apokryphen befassen, also den Schriften und Büchern der christlichen Religion und Mythologie, die offiziell nicht zum Bibel-Kanon gehören. Auf diesen Alben zeigt sich auch eine der großen Stärken der Band: Songs zu schreiben, die trotz ruhigerer Stimmung treibend und rockig sind. So gehören diese Alben auch unter Anderem deshalb zu meinen absoluten Lieblingsalben.

Bis 2007 wurden noch vier weitere Alben, nun jedoch unter dem Namen Garden of Delight featuring Lutherion, aufgenommen, dann wurde die Band (wieder einmal) für offiziell aufgelöst erklärt. Insgesamt hat die Band bis zu diesem Zeitpunkt 15 Studioalben plus einige EPs, Live-Alben usw. aufgenommen, und dürfte damit wohl eine der produktivsten Bands in der Szene und darüber hinaus gewesen sein.

Unter dem Namen Lutherion erschien jedoch abschließend Ende 2009 noch das Album Kosmogenesis, welches aber anders als die Vorgänger ausschließlich deutsche Texte enthält.

… zu Merciful Nuns

2010 wurde dann von der letzten Besetzung Garden of Delights, nämlich Artaud Seth, Jawa Seth und Gitarrist Jón, die neue Band Merciful Nuns aus der Taufe gehoben, die nun einen zwar immer noch durch den Drumcomputer aber ansonsten etwas weniger elektronisch gefärbten, modernen Gothic Rock spielen. Auch in dieser Inkarnation hat es die Band mittlerweile schon wieder auf zehn (!) Alben und sechs EPs (Stand 2020) gebracht und tourt erfolgreich durch die Welt. Und ein Ende ist nicht in Sicht…

Für mich gehören die Bands und Nebenprojekte um Artaud Seth definitiv mit zum Besten, das wie deutsche (bzw. deutschsprachige) Schwarze Szene hervorgebracht hat, und ich kann jedem, der Gothic Rock mag, nur ans Herz legen, sich einmal quer durch den umfangreichen Katalog der Bands zu hören.

 

Das war es von mir,

Euer Victor von Void!

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